Ich pflege jemanden

Eine Aufgabe mit Verantwortung

Sich um einen hilfebedürftigen Angehörigen zu kümmern, ist für viele Menschen Herzenssache. Etwa zwei Drittel der 2,25 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause versorgt, ausschließlich von ihren Angehörigen oder mit Unterstützung eines ambulanten Pflegedienstes. So sinnstiftend und erfüllend es sein kann, für einen lieben Menschen da zu sein – ist die Pflege von Angehörigen oft hoch belastend. Vor allem, wenn du neben der Pflege noch mitten im Berufsleben stehst oder selbst im fortgeschrittenen Alter bist und mit gesundheitlichen Einschränkungen zu tun hast.

Es ist grundlegend wichtig, dass du als pflegende Person jede Unterstützung erfährst, die dir zusteht und gut für dich selbst Sorge trägst, damit du den Pflegealltag gut meistern kannst.

Welche unterstützenden Angebote gibt es?

Pflege und Beruf unter einen Hut zu bekommen ist nicht immer einfach. Entlastung bietet da die Pflegezeit und die Familienpflegezeit.

  • Wenn du kurzzeitig eine Auszeit braucht, um alles Organisatorische zu regeln, kann eine kurzzeitige Arbeitsverhinderung von 10 Tagen in Anspruch nehmen.
  • Bei der Pflegezeit hast du die Möglichkeit, dich 6 Monate vom Beruf freistellen zu lassen.
  • Bei der Familienpflegezeit ist es möglich, über 24 Monate hinweg die wöchentliche Arbeitszeit zu reduzieren.
  • Eine 3-monatige Freistellung von der Arbeit ist möglich, um Menschen in der letzten Lebensphase zu begleiten.

Um einen Angehörigen zu Hause zu versorgen, brauchst du praktisches Wissen. Pflegeschulungen und Pflegekurse vermitteln wichtige Handgriffe und Kompetenzen. Die Kosten übernimmt die Pflegekasse oder Pflegeversicherung.

Auch als pflegender Angehöriger brauchst du mal Urlaub und eine Auszeit. Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

Kurzzeitpflege heißt stationäre "Pflege auf Zeit" in einer geeigneten Pflegeeinrichtung. Sie kann bis zu acht Wochen pro Kalenderjahr in Anspruch genommen werden.

Verhinderungspflege heißt, ein ambulanter Pflegedienst oder auch Nachbarn, Freunde, Familienmitglieder springen ein paar Stunden, Tage oder auch Wochen ein. Bis zu 1.612 Euro übernehmen die Pflegekassen auf Antrag, wenn du eine Auszeit nehmen willst.

Da der individuelle Bedarf von Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen ganz unterschiedlich ist, gibt es eine Fülle von sogenannten "niedrigschwelligen Angeboten". Sie reichen von der Unterstützung im Haushalt (haushaltsnahe Dienstleistungen, Einkaufen) bis hin zur Begleitung bei Terminen wie Arztbesuchen.

Nicht immer lässt sich die Pflege zu Hause realisieren.

Die Lösung lautet dann: teilstationäre Pflege. Sie entlastet dich als pflegenden Angehörigen und ermöglicht dennoch die zeitweise Pflege im vertrauten Umfeld. Der Pflegebedürftige ist eine bestimmte Zeit des Tages oder der Woche in einer stationären Einrichtung untergebracht. Den Rest der Zeit verbringt er zu Hause.

Wird die Situation zur Überlastung?

Einen Angehörigen pflegen bedeutet oft Mehrfachbelastung. Wenn sich Belastung und Erholung über längere Zeit nicht die Waage halten, kann die Pflege zunehmend an die Substanz gehen. Dann hast du erhöhtes Risiko selbst körperlich oder psychisch zu erkranken. Doch wo verläuft die Grenze zwischen dem, was du schaffen kannst und dem, was krank macht?

Der enge Kontakt zu dir selbst, Aufmerksamkeit für den eigenen Körper und deine Gefühle sind der beste Weg, um Überforderung vorzubeugen: Was tut gut und was weniger, wann brauchst du eine Auszeit und wann ist eine große Portion Seelenschmeichler fällig, um den Belastungen etwas entgegenzuwirken? Du selbst und deine Gefühle sind das Barometer, auf das du achten solltest.

  • Energiemangel, Schwächegefühl, chronische Müdigkeit
  • das Gefühl, dass dir alles zu viel ist
  • Nervosität und innere Unruhe
  • Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit, Gedanken der Sinnlosigkeit
  • Gefühllosigkeit, Gefühl der inneren Leere
  • Gereiztheit, Angstgefühle, Schuldzuweisungen
  • keine Lust auf Kontakte mit anderen Menschen
  • Schlafstörungen
  • wiederkehrende körperliche Beschwerden, wie Magen-Darm-Beschwerden, Kopf- oder Rückenschmerzen, Herzrasen
  • geschwächte Abwehrkräfte: häufige Infekte und Hautprobleme

Sollten ein oder mehrere Punkte auf dich zutreffen, nimm deine Situation ernst. Beratung, konkrete Unterstützung und Austausch sind jetzt wichtig.

Was kann ich sofort tun, damit es mir gut geht?


Selbstfürsorge

Gesunder Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Auszeiten, um zu entspannen und neue Kraft zu tanken, gehören zum Pflichtprogramm. Achte auf dich selbst und nimm Signale einer Überlastung ernst.

Ein gutes soziales Netzwerk

Häufig leiden Freundschaften und soziale Kontakte unter der Pflegesituation. Dabei ist es für deine Gesundheit und Wohlergehen von entscheidender Bedeutung, Beziehungen zu pflegen und dich auszutauschen.

Selbsthilfe- und Angehörigengruppen

Der Austausch mit Menschen in ähnlicher Lage bietet oftmals eine große emotionale Unterstützung. Gruppen gibt es bundesweit und auch in deiner Nähe.

So verhalte ich mich richtig

Eine länger andauernde Pflegesituation kann dazu führen, dass dein soziales Netz dünner wird: Oft fehlt einfach die Zeit und die Energie, um Kontakte zu pflegen und im Job am Ball zu bleiben. Hinzu kommt, dass Probleme und Sorgen in der Pflegesituation für Außenstehende nicht immer nachvollziehbar sind. Manchmal fehlt es an Sicherheit, wenn es um den richtigen Umgang mit dem sozialen und beruflichen Umfeld geht. Hier sind einige Tipps, die dir helfen können:

Ein gutes soziales Netz ist für das seelische Wohlbefinden von grundlegender Bedeutung.

Bleib in Kontakt!

Kläre im Familienkreis, wer welche Alltagsaufgaben, z.B. den Einkauf, Hilfe bei Arztbesuchen oder im Haushalt, übernehmen kann.

Verteile Aufgaben!

Wenn dir das Volumen deiner Arbeitsaufgaben zu hoch wird, bitte deine Kollegen um Unterstützung und Entlastung.

Nimm Hilfe an!

Falls du dich beruflich überlastet fühlst, kann ein offenes und ehrliches Gespräch mit deinem Vorgesetzten hilfreich sein.

Sprich offen!

Wir als Krankenkasse sind für dich da!

Als deine Krankenkasse stehen wir dir bei der Pflege zur Seite. Sowohl bei der Organisation der Pflege als auch bei Fragen zu deiner eigenen Gesundheitsvorsorge sind wir für dich da.

Fahrtkosten zur Behandlung

Ist die zu pflegende Person blind, gehbehindert oder in ihrer Mobilität eingeschränkt, übernehmen wir die Fahrtkosten zur Behandlung.

Hilfsmittel

Wenn sie aus medizinischer Sicht benötigt werden, übernehmen wir Hilfsmittel wie z.B. Rollatoren, Hörhilfen oder Rollstühle.

Akute Krise - kein Ausweg in Sicht?

Die Pflege von Angehörigen belastet häufig psychisch. Konflikte können entstehen, zu pflegende Menschen können sich durch Krankheiten verändern, Situationen können eskalieren, Ängste und Sorgen können übermächtig werden. Auch medizinische Akutfälle können eintreten. Um diese Situationen bewältigen zu können, ist es wichtig, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Für solche Fälle gibt es ärztliche und psychotherapeutische Unterstützung.

Hilfe im Notfall

Wenn eine Situation eskaliert, du den Boden unter den Füßen verlierst oder ein medizinischer Akutfall eintritt, kannst du Folgendes tun:

Beratungs- und Hilfeangebote

Akutfall / Soforthilfe

Bei Suizidgefahr, medizinischem Akutfall oder Eskalation:


 

Polizei 110
Feuerwehr 112

Bereitschafts­dienst

Ärztlicher und psychiatrischer 
Bereitschaftsdienst. Kostenlos rund um die Uhr:
 

Tel.: 116 117
 

Zur Website

Telefonseel­sorge

Anonyme, kostenlose Beratung zu jeder Tageszeit und Nachtzeit unter den bundesweiten Telefonnummern:
 

Tel.: 0800 - 1110111
Tel.: 0800 - 1110222

Zur Online-Beratung

Pflegetelefon

Kostenlose Beratung von Mo. bis Do. 09.00 bis 19.00 Uhr unter der Telefonnummer:

 

Tel.: 030 - 20179131
 

Zur Online-Beratung

In jeder deutschen Stadt gibt es psychologische Beratungsstellen, Beratungsstellen für Ehe-, Familien- und Lebensfragen, psychosoziale Beratungsstellen und sozialpsychiatrische Dienste. Diese Einrichtungen stehen jedoch nicht rund um die Uhr zur Verfügung und du musst ggf. einen Beratungstermin vereinbaren. Solltest du Soforthilfe benötigen, kannst du oben genannte Anlaufstellen kontaktieren.

Gut zu wissen

Viele Pflegende scheuen davor zurück, einen Teil der Pflege in andere Hände zu geben und empfinden es als eigenes Versagen, wenn sie Hilfe und Unterstützung brauchen. Doch ohne Unterstützung ist die Pflege auf Dauer nicht zu schaffen! Die große Verantwortung und Belastung lässt sich deutlich leichter tragen, wenn die Pflegeaufgaben auf möglichst viele Schultern verteilt sind. Ein stabiles privates Netzwerk aus Familienangehörigen, Freunden und Nachbarn ist eine große Hilfe. Daneben gibt es eine Reihe professioneller oder ehrenamtlicher Angebote. Pflegedienste sind verlässliche Partner im Pflegealltag und kompetente Ansprechpartner. Auch Pflegebedürftige empfinden die Hilfe nach einer Zeit der Gewöhnung oft als Bereicherung: Denn Fremde werden schnell zu Vertrauten, die frischen Wind in den Pflegealltag bringen.

Die Belastungen und Entbehrungen in der Pflege sowie der ungefilterte Umgang mit den Launen und Eigenheiten des anderen lassen auf beiden Seiten manchmal die Nerven blankliegen. Ärger, Wut und Enttäuschungen sind Bestandteil des Pflegealltags – genau wie die schönen Momente und liebevollen Gefühle.

Rat von außen sollte unbedingt hinzugezogen werden, wenn sich Konfliktsituationen häufen oder zuspitzen, wenn du z.B. ständig gereizt bist und aggressiv reagierst. Das ist ein sicheres Zeichen für chronische Überlastung. Hole dir in diesem Fall unbedingt Hilfe!

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Wenn dir VION gefällt, kontaktiere gern deine Krankenkasse, falls sie VION noch nicht haben.

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