Schlaf- und Beruhigungsmittel

Eine scheinbar einfache Lösung, um besser zu schlafen ist es, zu Schlafmitteln zu greifen. Neben verschreibungspflichtigen Mitteln gibt es eine Vielzahl an pflanzlichen Präparaten. Was hilft, was sollte man beachten?

Was tun, wenn Sorgen, Ängste oder andere Umstände den Schlaf boykottieren? Die Apotheke oder der nächste Drogeriemarkt versprechen schnelle Abhilfe. Neben verschreibungs­pflichtigen Medikamenten, die den Ruf haben abhängig zu machen, gibt es eine Vielzahl an frei verkäuflichen Mitteln, viele davon auf pflanzlicher Basis. Schlaffördernde Tees oder Präparate mit Baldrian und Hopfen füllen ganze Regalreihen. 228 Millionen Euro werden nach Auskunft des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller pro Jahr mit Schlaf- und Beruhigungsmittel umgesetzt - Tendenz steigend. Die Präparate gehören zu den umsatzstärksten rezeptfreien Mitteln. Aber helfen sie auch?

Das hat unter anderem die Stiftung Warentest 2018¹ untersucht. Sie prüfte sowohl verschreibungs­pflichtige Schlaf­tabletten wie Benzodiazepinen und sogenannte „Z-Drugs“ (mit den Wirk­stoffen Zolpidem und Zopiclon) als auch 55 rezept­freie Mittel, darunter Anti­histaminika, Baldrianpräparate, Tees und Nahrungs­ergän­zungs­mittel. Deren Fazit: „Die meisten Mittel schneiden schlecht ab.“ 

 

Pflanzliche und homöopathische Präparate: Wirkung unklar

Auf der Suche nach Schlaf­mitteln, die ohne Nebenwirkungen auskommen und nicht abhängig machen, greifen viele zu schlaffördernden Tees oder pflanzlichen Präparaten mit Baldrian und Hopfen. AuchLavendel, Johanniskraut, Melisse und Passionsblumenkraut sollen Spannungszustände lösen und beim Einschlafen helfen. Einige schwören auf die „Heiße Sieben“: zehn Tabletten Schüßlersalz Nr. 7 in 0,2 Litern abgekochtem heißen Wasser auflösen und vor dem Ins-Bett-Gehen schluckweise trinken. Sanfte Einschlafhilfe versprechen darüber hinaus homöopathische Komplexmittel.

Die Stiftung Warentest zweifelt die Wirksamkeit aller dieser Mittel jedoch stark an. Das deckt sich mit wissenschaftlichen Studienergebnissen: Es fehlen Nachweise, die eine Wirksamkeit belegen. Bestenfalls finden sich Hinweise, die eine schlaffördernde Wirkung nahelegen. Zum Beispiel für Baldrian bei Unruhe bzw. leichten bis mittleren Schlafproblemen, wenn das Präparat bestimmte Vorgaben an Gehalt und Extraktionsmittel erfüllt.²

Es mag der berühmte Placebo-Effekt sein: Aber viele Menschen verspüren dennoch eine gewisse Entspannung und Besserung der Beschwerden. Letztlich muss also jeder für sich entscheiden, ob er einen Versuch mit pflanzlichen oder homöopathischen Einschlafhilfen unternimmt. Sicher ist, dass sie nicht sofort wirken, sondern einige Tage eingenommen werden sollten, bis sich eine Wirkung zeigt.

 

Freiverkäufliche (nichtpflanzliche) Schlafmittel: nicht für den Dauergebrauch

Ohne Rezept gibt es auch leichte Schlafmittel, die als Wirkstoff Antihistaminika (Diphenhydramin und Doxylamin) enthalten. Stiftung Warentest bescheinigt ihnen „günstige Effekte“ auf das Schlafen. Doch Vorsicht! Sie sollten maximal zwei Wochen angewendet werden. Der Körper kann sich an die Substanzen gewöhnen, sodass sie nicht mehr ausreichend wirken. Nebenwirkungen, die vor allem bei erhöhter Dosis auftreten können, sind Schwindel, Benommenheit und Verwirrtheit. Ältere Menschen sollten auf die Mittel möglichst verzichten. 

Zu Vorsicht ist bei Nahrungsergänzungsmitteln, die das Schlafhormon Melatonin enthalten, geraten. Einige niedrig-dosierte Produkte werden in Deutschland als Einschlafhilfe gehandelt. Die Wirkung ist umstritten³. Anders als bei verschreibungspflichtigen Medikamenten muss bei Nahrungsergänzungsmitteln nicht auf mögliche Nebenwirkungen hingewiesen werden, die der Wirkstoff Melatonin sehr wohl hat.

 

Verschreibungspflichtige Mittel: Nutzen und Gefahr gut abwägen

Verschreibungspflichtige Schlafmittel, sogenannte Benzodiazepine und auch Z-Substanzen, wirken gut, sie bergen aber auch große Risiken. Sie können zur Gewöhnung und Abhängigkeit führen, deren gesundheitlichen Folgen man nicht unterschätzen sollte. Außerdem gilt, dass sie zwar temporär helfen, nie aber die Ursache der Schlafprobleme beheben. Werden sie abgesetzt, sind die Schlafstörungen wieder da.

Sie sollten daher die letzte aller Möglichkeiten sein, möglichst nur kurzzeitig zum Einsatz kommen und erst dann, wenn alle Möglichkeiten der gezielten Schlafhygiene ausgeschöpft sind. Je nach Ursache der Schlafstörung müssen dabei Nutzen und Gefahren gemeinsam mit dem Arzt sehr genau abgewogen werden. Bei akuten Krisen und Belastungen können sie sinnvoll sein, besser wäre es auf jeden Fall, den Ursachen für die Schlafstörungen auf den Grund zu gehen.

 

 

¹ https://www.test.de/Schlafmittel-Endlich-wieder-erholsam-schlafen-1794088-0/

² https://www.test.de/medikamente/krankheit/schlafstoerungen-k217/

³ siehe A. Sönnichsen: Hilft Melatonin bei Schlafstörungen? https://www.online-zfa.com/fileadmin/user_upload/Heftarchiv/ZFA/article/2019/03/D4DBDA2FA91F4633A7234F0CC537C653_ebm_melatonin_mmk.pdf

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