Mit Schmerz richtig umgehen

Schmerz ist ein natürliches Warnsignal unseres Körpers und gehört daher zu unserem Leben dazu. Halten Schmerzen aber über längere Zeit an oder sind sie besonders stark, solltest du nicht einfach nur die Zähne zusammenbeißen. Je früher du etwas dagegen tun, umso besser sind die Schmerzen behandelbar.

Das Schmerzempfinden ist etwas ganz Individuelles und von Mensch zu Mensch verschieden: Was dem einen noch erträglich erscheint, kann für den Anderen schon stärkere Schmerzen bedeuten. Ob und wie stark etwas als schmerzhaft empfunden wird, ist daher nicht objektiv zu sagen. Wie wir Schmerzen wahrnehmen hängt sehr damit zusammen, wie es uns im Moment geht, welche Erfahrungen wir mit Schmerzen gemacht haben und welche Bedeutung Schmerzen in unserer Kultur haben: In unserem Kulturkreis ist Schmerz in erster Linie ein Anzeichen für eine körperliche Störung und somit sehr negativ belegt. In anderen Kulturen hingegen, wie etwa bei vielen Völkern Afrikas, werden Schmerzen oft bewusst zugefügt um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken (z.B. in Initiationsriten, die den Übergang zum Erwachsensein symbolisieren). Und schmerzhaft entstandene Körpermale (wie z.B. Tätowierungen, Piercings oder ähnliches) gelten als Schönheitsmerkmal. Schmerzen werden in vielen Kulturen auch als reinigend empfunden.

Unabhängig davon, wie wir Schmerz wahrnehmen, ist er in jedem Fall ein sehr nützliches, denn lebenswichtiges Alarmsignal des Körpers, das uns auf Verletzungen und Gefahren aufmerksam macht und uns so oft vor schlimmeren Schäden bewahrt: einen verstauchten Fuß belasten wir so nur vorsichtig oder ziehen unsere Hand von einer heißen Herdplatte sofort wieder zurück.

In den meisten Fällen klingen Schmerzen wieder von alleine ab. Wenn sie allerdings anhalten oder besonders stark auftreten, sollte man einen Arzt um Rat fragen. Um Ihrem Arzt möglichst genau beschreiben zu können, wie und wo du Schmerzen hast, helfen dir folgende Überlegungen: Wie stark ist der Schmerz auf einer Skala von 1 bis 10? Wann ist er am stärksten und wann am schwächsten? Wie fühlt er sich genau an – dumpf oder eher stechend, brennend? Tritt der Schmerz immer an der gleichen Stelle auf? Inwieweit wirkt sich der Schmerz auf deinen Alltag aus? Die Antworten auf diese Fragen können deinem Arzt helfen, schneller und genauer die Ursache deiner Schmerzen zu erkennen.


Schmerzgedächtnis

Andauernde Schmerzen solltest du keinesfalls einfach so hinnehmen. Besonders ältere Menschen lassen ihre Schmerzen oft nicht behandeln, da sie glauben, diese würden zum Älterwerden unweigerlich dazu gehören. Ständige Schmerzen beeinträchtigen aber auf Dauer die Lebensfreude und können zu Depressionen führen. Außerdem können sich anhaltende Schmerzen zu chronischen Schmerzen entwickeln, wenn sie unbehandelt bleiben. Mit verantwortlich ist dafür das so genannte “Schmerzgedächtnis”, das der Körper entwickeln kann: Bestehen Schmerzen über einen längeren Zeitraum, werden die Nervenbahnen ständig gereizt und somit regelrecht “trainiert”. Der Effekt ist, dass die Nervenzellen immer heftiger auf die schmerzauslösenden Reize reagieren und sich die Schmerzen sogar verselbständigen können. Die Zellen senden dann sogar auch ohne dass ein Reiz vorliegt ein Schmerzsignal zum Gehirn. Chronische Schmerzen sind umso besser behandelbar, je früher sie angegangen werden. Lass dich daher von einem Arzt untersuchen um herauszufinden, worin die Ursache für deine Schmerzen liegt und wie man diese am besten behandeln kann. Hilfe findest du auch in so genannten “Schmerzpraxen”. Wenn du Medikamente gegen deine Schmerzen einnimmst, solltest du sehr gewissenhaft mit diesen umgehen: Werden Schmerzmittel in zu hoher Dosis und über einen längeren Zeitraum eingenommen, kann es zu einer körperlichen Abhängigkeit kommen. Diese zeigt sich darin, dass die Medikamente zunehmend weniger wirken (Toleranzentwicklung) und Entzugserscheinungen auftreten, wenn die Einnahme ausbleibt. Halte dich daher an die Einnahmehinweise deines Arztes oder Apothekers bzw. an die Empfehlungen des Beipackzettels..

 

Tipps bei Schmerzen

Wie stark wir Schmerzen empfinden, hängt zu einem großen Teil von unserer psychischen Verfassung ab. Alles, was unserer Seele guttut, hilft demnach auch, den Schmerz zu lindern. Schaffe dir also möglichst viele schöne Momente mit Dingen, die du gern tust oder mit Menschen, die du gern um dich hast!


Was du außerdem noch tun kannst:

 

Entspanne deine Muskulatur

Lege oder setz dich bequem hin und spanne alle Muskeln in deinem Körper für etwa 5 Sekunden an, so dass du ein leichtes Ziehen verspüren. Lass danach wieder alle Muskeln locker und genieße für etwa 10 Sekunden das Gefühl der Entspannung. Wiederhole diese Übung mehrmals. (Diese Methode entstammt der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson.)

 

Atme mit Bauchatmung

Konzentriere dich auf deinen Atem und atme tief in deinen Bauchraum hinein. Lasse dann die Luft wieder langsam ausströmen und warte 5 Sekunden, bevor du erneut einatmest. Atme dann wieder aus und warte nochmals 5 Sekunden, bevor du wieder Luft holst. Wiederhole dies einige Minuten lang.

 

Lenk dich ab

Beschäftige dich mit etwas, das dir Spaß macht oder dich zum Lachen bringt, denn Lachen wirkt als natürliches Schmerzmittel!

 

Beweg dich

Sofern kein medizinischer Grund dagegenspricht: Geh zum Beispiel Spazieren, Fahrradfahren, Joggen oder geh einer anderen Tätigkeit nach, die dir Spaß macht und bei der du dich (möglichst an frischer Luft) bewegen kannst – wie zum Beispiel bei der Gartenarbeit. Die Sonne und die frische Luft machen gute Laune und bringen dich auf andere Gedanken!

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