Insektengiftallergie – mehr als Autsch!

Wir alle kennen diesen Schmerz, und fast jeder erlebt nach einem Bienen- oder Wespenstich eine deutliche Hautreaktion. Die beschränkt sich aber meist unmittelbar auf die Einstichstelle: Die Haut rötet sich und juckt, es bilden sich Schwellungen. Das bedeutet noch lange nicht, dass du eine echte Insektengiftallergie hast. Für die betroffenen 0,8 bis 5 Prozent Allergiker in der Bevölkerung aber kann ein Stich ernste Folgen haben!

Am häufigsten sind Wespen und Bienen die Übeltäter, seltener sorgen Hummel- oder Hornissenstiche für allergische Reaktionen. Meist ist man nur gegen eine der Spezies allergisch, Wespen- und Bienengiftallergien treten in der Regel nicht bei ein und derselben Person auf. Mücken, Bremsen oder Ameisen sind vergleichsweise harmlos – ihre Gifte verursachen meist nur kleine Reaktionen an der betroffenen Hautstelle.  

Für den behandelnden Arzt ist es im Notfall wichtig zu wissen, welches Insekt deine Reaktion ausgelöst hat. Den Unterschied zwischen Wespen- und Bienenstich kannst du meist leicht erkennen: Die Wespe zieht ihren Stachel wieder zurück, während der Bienenstachel in der Haut steckenbleibt (und das Insekt daraufhin stirbt).  

 

Was passiert bei einer allergischen Reaktion auf Insektengift? 

Die Immunzellen eines Allergikers reagieren anfangs auf eigentlich harmlose Eiweißbestandteile aus dem Insektengift mit massenhafter Bildung von IgE-Antikörpern. Und die laufen bei einem späteren Kontakt Sturm. Es muss nicht gleich der zweite Stich sein – du kannst über Jahre ohne dramatische Reaktionen gestochen werden, bis es dann eines Tages doch einmal heftig wird. 

Die Ausschüttung von Histamin sorgt für die allergischen Reaktionen, bei denen es im Extremfall zu einer Erweiterung der Blutgefäße und einem straken Blutdruckabfall kommen kann. Dann spricht man von einem anaphylaktischen Schock, der eventuell lebensgefährlich ist. 

 

Wie gehst du am besten mit einer Notsituation um? 

Ein Stich im Mund- oder Rachenraum ist grundsätzlich für alle Menschen bedrohlich, anschwellende Atemwege gefährden Menschen mit einer Allergie jedoch ganz besonders. Auch wenn Erstickungsfälle relativ selten sind, ist sofort der Notruf unter 112 fällig. Bis Rettung eintrifft: Eiswürfel oder Speiseeis lutschen und kalte Umschläge um den Hals wickeln, Ruhe bewahren und die Beine hochlegen. 

Besonders Allergiker wie auch deren Begleiter (bei Kindern: Eltern, Erzieher, Lehrkräfte) sollten wissen, was in einer Notsituation zu tun ist. Gehen die allergischen Reaktionen über die örtliche Hautstelle hinaus, gilt es sicherheitshalber, den Notruf (112) zu wählen. 

Gut beraten ist, wer als Insektengiftallergiker stets ein Notfallset zur Hand hat. Es enthält verschreibungspflichtige Medikamente, die dein Arzt verordnet hat. Dazu gehören etwa ein Kortison-Präparat, ein Adrenalin-Nasenspray oder ein Adrenalin-Autoinjektor und ein Anti-Histaminikum. 

Darüber hinaus müssen die Atemwege des Betroffenen so gut wie möglich freigehalten werden. Enge Kleidung sollte gelockert und die Person – sofern kein Kreislaufschock vorliegt – in eine sitzende Position gebracht werden. Verliert der Betroffene das Bewusstsein, ist die stabile Seitenlage angesagt. Und wenn dann kein Puls mehr zu fühlen ist, eine Herzdruckmassage!  

 

Wie kannst du dich schützen? 

Hat dein Arzt eine Insektengiftallergie diagnostiziert, solltest du außer dem Notfallset immer einen Allergiepass dabeihaben – so erhalten Begleiter und medizinisches Personal im Ernstfall schnelle Informationen, um allergische Schocks zu vermeiden oder zu behandeln. 

Und hier findest du noch ein paar einfache Verhaltensregeln für die sommerliche Insektensaison: 

  • Wenn an Hochsommertagen besonders viele Wespen & Co. durch die Lüfte schwirren, solltest du das Picknick im Freien besser auf wolkenverhangene Tage verschieben. 

  • Lass keine offenen Getränke stehen (abdecken und Trinkhalm benutzen) 

  • Halten dich nicht in der Nähe von Mülltonnen und Essenresten auf 

  • Schütze deine Haut mit langer, heller Kleidung und möglichst geschlossenen Schuhen (auf keinen Fall barfuß über Wiesen laufen!) 

  • Verzichte auf Parfüms und Kosmetika  

  • Schlage nicht nach Wespen und Bienen – die meisten der kleinen Plagegeister stechen bevorzugt, wenn sie sich bedroht fühlen 

  • Verhalte dich bei anwesenden Insekten ruhig und bewege dich langsam 

 

Ist eine Insektengiftallergie heilbar? 

So gefährlich eine Insektengiftallergie auch erscheinen mag – sie zählt zu den Formen, die tatsächlich relativ gut behandelt werden können. Auf lange Sicht kann dir eine Allergie-Immuntherapie (Hyposensibilierung) helfen – der Therapieerfolg liegt bei gut 80 bis 95 %. Dazu musst du aber viel Geduld mitbringen, denn die Behandlung erstreckt sich über bis zu fünf Jahre. 

Und so funktioniert’s: Dein Körper wird behutsam an den allergieauslösenden Giftstoff gewöhnt. Anfangs verabreicht der Arzt sehr kleine Mengen, die er dann allmählich steigert, bis dein Körper eine Toleranz entwickelt und immer weniger bis gar keine allergischen Reaktionen mehr zeigt.    

 

Quellen und weitere Informationen 

https://www.allergieinformationsdienst.de/krankheitsbilder/insektengiftallergie/verbreitung 

https://www.gesundheitsinformation.de/insektengiftallergie.html 

www.insektengiftallergie.de