HPV-Impfung für Jugendliche

Eine Impfung gegen Krebs? Das klingt fast zu schön um wahr zu sein, doch seit 2006 gibt es sie: die HPV-Impfung für Mädchen und Jungen von 9 bis 14 Jahren, die Gebärmutterhalskrebs vorbeugen soll. Die Meinungen über ihren Nutzen gehen jedoch auseinander.

Gebärmutterhalskrebs galt noch vor 1971 als häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Durch die Einführung des Früherkennungsprogramms in jenem Jahr konnte das Zervixkarzinom (Zervix = Gebärmutterhals) jedoch auf den mittlerweile 12. Platz zurückgedrängt werden. Als Hauptursache für Gebärmutterhalskrebs gilt die Infektion mit den sogenannten humanen Papillomviren (HPV), darunter vor allem mit den HPV-Untertypen 16 und 18. Diese beiden Typen werden in 70% der Fälle von Gebärmutterhalskrebs nachgewiesen.

HPV ist nicht gleich Gebärmutterhalskrebs

Eine Infektion mit HPV ist nichts Ungewöhnliches und im Allgemeinen auch kein Grund zur Beunruhigung: Etwa 50-80% der Menschen kommen im Laufe ihres Lebens mit HP-Viren in Kontakt. Meist gelingt es dem Immunsystem problemlos, die Infektion zu bekämpfen - ohne, dass der Betroffene überhaupt etwas davon merkt. In wenigen Fällen gelingt es dem Immunsystem allerdings nicht, die HP-Viren zu beseitigen. Diese können dann Zellveränderungen verursachen, aus denen sich Krebs entwickeln kann - vor allem am Gebärmutterhals, aber auch im Genital-, Anal- und im Kopf-Hals-Bereich.

Eine Ansteckung mit HPV erfolgt meist bei sexuellen Kontakten, jedoch nicht über die Körperflüssigkeiten, sondern über Haut- und Schleimhautkontakte. Die Verwendung von Kondomen bietet daher keinen sicheren Schutz vor HPV, verringert jedoch nachweislich die Wahrscheinlichkeit einer Infektion. Seit 2006 steht zur Vorbeugung von HPV - genauer gesagt zur Vorbeugung der am häufigsten krebsverursachenden Typen 16 und 18 - die HPV-Impfung bereit.

Schützt die HPV-Impfung vor Gebärmutterhalskrebs?

Die HPV-Impfung beugt einer Infektion mit den HPV-Typen 16 und 18 vor und senkt das Risiko für Gebärmutterhalskrebs erheblich, denn diese beiden Typen sind für 70% der Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich. Die HPV-Impfung ist aber kein vollständiger Schutz vor Gebärmutterhalskrebs. Denn neben den Typen 16 und 18 gibt es noch weitere HPV-Typen, die ein Zervixkarzinom verursachen können und gegen die die derzeitige Impfung nicht schützt. Die Impfung kann außerdem einer Infektion mit den entsprechenden Viren nur vorbeugen. Deshalb ist es auch für geimpfte Frauen wichtig, regelmäßig die Früherkennungsuntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs wahrzunehmen. Da die meisten Menschen im Erwachsenenalter bereits mit HPV in Kontakt gekommen sind, wird die Impfung für Jugendliche von 9 bis 14 Jahren empfohlen, denn so ist das Risiko einer Infektion am geringsten. Jugendliche, die bis zum Alter von 15 Jahren noch nicht gegen HPV geimpft worden sind, sollten die Impfung möglichst bald und noch vor dem 18. Geburtstag nachholen.

Sollte man sich impfen lassen?

Die bisherigen Studien zur HPV-Impfung zeigen, dass diese wirkungsvoll vor einer Infektion mit den entsprechenden HPV-Typen schützt und es bei den Geimpften auch seltener zu Krebsvorstufen kommt. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen HPV seit 2007 für Mädchen und seit Juni 2018 auch für Jungen. In der wissenschaftlichen Begründung geht es bei der Impfempfehlung für Jungen nicht nur um den Schutz ihrer SexualpartnerInnen - schätzungsweise 1.600 bis 2.300 Krebserkrankungen treten bei Männern aufgrund von HPV-Infektionen auf.

Kritisiert wird, dass der Wirkstoff nur gegen zwei HPV-Typen gerichtet ist. Auf der anderen Seite sind die Typen 16 und 18, vor denen die Impfung schützt, die zwei Typen, die am häufigsten an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt sind (zu 70%) - damit lässt sich mit dieser Impfung das Risiko insgesamt deutlich senken. Ob man sich nun für oder gegen die HPV-Impfung entscheidet, muss am Ende jeder für sich selbst (bzw. für seine Kinder) entscheiden. Wichtig wäre in jedem Fall, vorher ein beratendes Gespräch mit dem/der Haus- oder Frauenarzt/der Frauenärztin zu führen und den Nutzen gegenüber eventuellen Risiken abzuwägen.

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