Umgang mit der Depression

Die Diagnose Depression ist für Betroffene und Angehörige ein Schock. Unwissen und Vorurteile verunsichern zusätzlich: Soll ich mich gegenüber Familie und Chef ,,outen''? Bin ich überhaupt richtig krank? Muss ich jetzt Medikamente nehmen? Mindestens genauso viele Fragen stellt sich aber auch das Umfeld des Betroffenen. Denn leider sind Depressionen immer noch ein Tabuthema.

Sich unverstanden fühlen und als ,,Sensibelchen'' abgestempelt werden, das kennt wohl jeder an Depressionen Erkrankte. Deshalb igeln sich viele nach der Diagnose ein, erfinden Ausreden für ihren Chef und ziehen sich von Familie und Freunden zurück. Sie geraten in einen Teufelskreis aus Angst, Selbstzweifel und Isolation.

Dabei geht es vielen so. 15 bis 18 von 100 Menschen erkranken an einer Depression. Ärzte sprechen von der Volkskrankheit Nummer 1. Und selbst Prominente bleiben nicht verschont. Stars wie Robbie Williams oder Mariah Carey bekennen sich öffentlich zu ihrer Depression. Doch nach wie vor herrscht in der Gesellschaft Unwissenheit über die Krankheit und Depressive müssen sich viele Vorurteile anhören, was den ohnehin schon schwierigen Umgang mit der Krankheit zusätzlich erschwert

Was den Umgang so schwierig macht, ist, dass man Depressionen nicht sehen kann. Für Familie, Freunde und Kollegen ist die Krankheit quasi unsichtbar. Für sie ist es oft völlig unverständlich, wieso der Betroffene auf einmal nicht mehr aus dem Haus geht oder sich waschen kann. Die Reaktionen pendeln daher meist zwischen zwei Extremen: Entweder wird der Depressive als „fauler Angsthase" abgestempelt oder aber wie ein rohes Ei behandelt. Da ist es nur verständlich, dass sich Betroffene immer mehr vom Leben zurückziehen.

Die vielen Klischees, mit denen Depressive tagtäglich konfrontiert werden, führen außerdem nicht selten dazu, dass sie selbst anfangen, ihre Krankheit zu verleugnen. Sie wollen den Anforderungen der Gesellschaft, stark zu sein, gerecht werden und hangeln sich mit Parolen wie ,,Reiß dich zusammen!'' von Tag zu Tag. Dadurch verfestigt sich die verdrängte und unbehandelte Krankheit häufig und kann zu starken körperlichen (somatischen) Beschwerden führen.

 

Sich behandeln lassen

Dabei ist es völlig unnötig, es soweit kommen zu lassen. Depressionen sind die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung. Zehn Prozent der Bundesbürger erkranken einmal oder mehrmals im Leben. Mit den vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten, die es heute gibt, kann den meisten Betroffenen jedoch geholfen werden. Die Scheu, zum Psychotherapeuten zu gehen oder Medikamente einzunehmen, sollte einem glücklicheren Leben nicht im Wege stehen. Eine schwere Depression geht nämlich nicht einfach vorüber, sondern prägt das gesamte weitere Leben. Welche Therapie geeignet ist, wird im Einzelfall entschieden. Dabei ist ein vertrauensvolles Verhältnis zum Therapeuten wichtig. Nimm dir deshalb unbedingt Zeit, einen guten Arzt zu finden. Übrigens: Antidepressiva machen weder süchtig, noch verändern sie den Charakter!

 

Seine Mitmenschen einweihen

Auf lange Sicht ist es unumgänglich, sich - zunächst ausgewählten - Familienmitgliedern und Freunden zu öffnen. Soziale Unterstützung ist wichtig für eine stabile Psyche. Lass es nicht erst zu Gerüchten um deine Person kommen, sondern informiere dein Umfeld lieber selbst. Vielen wird es sowieso schon aufgefallen sein, dass mit dir ,,etwas nicht stimmt''. Eine Freundschaft oder Partnerschaft, die die Diagnose Depression nicht aushält, wäre es doch sowieso nicht wert, aufrecht erhalten zu werden, oder? Vielleicht geht es Menschen aus deinem Umfeld ja sogar ähnlich? Wage den Schritt. Viele Betroffene bekommen überraschend auch ganz positives Feedback.


Eine besondere Herausforderung ist es, den Chef über die Depression zu informieren. Viele haben Angst, ihren Job zu verlieren, und verschweigen ihre Krankheit deshalb. Doch oft ist eine klare Diagnose für den Arbeitgeber einfacher hinzunehmen als sich häufende mehr oder weniger unbegründete Fehltage. Außerdem sind Depression und Burnout mittlerweile vielen Arbeitgebern nicht mehr fremd.

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