ADHS bei Kindern

Jeder kennt die Geschichte vom Zappelphilipp aus dem "Struwwelpeter" von Heinrich Hoffmann. Für viele Familien ist dies aber bittere Realität: Kinder, die von ADHS betroffen sind, scheinen unzähmbar und ecken überall an. Ohne professionelle Hilfe ist das nicht nur für die Eltern, sondern auch für die Kinder selbst auf Dauer ein unerträglicher Zustand.

Zappelig, unkonzentriert und leicht reizbar: 3-5% der unter 18-Jährigen haben eine Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung - kurz: ADHS. Betroffen sind Jungen und Mädchen, wobei Mädchen häufig andere Symptome aufweisen als Jungen und die Diagnose bei Mädchen somit seltener gestellt wird, bzw. die Störung erst später erkannt wird. In einigen Fällen geht die Störung einher mit einer Hochbegabung, die aber oft nicht erkannt wird, weil die schulischen Leistungen von ADHS-Kindern meist schlecht sind.

ADHS ist von Kind zu Kind verschieden,  setzt sich aber aus den drei Kernbereichen Aufmerksamkeitsprobleme, Impulsivität und Hyperaktivität zusammen. Bei einigen tritt die Störung auch ohne Hyperaktivität auf, man spricht dann von ADS. Über die Ursachen der Störung sind sich Forscher bisher nicht einig. Sicher ist, dass sie vererbt wird und Erziehung nur eine nebensächliche Rolle spielt. Vermutet wird, dass bei ADHSlern die Übertragung von Informationen im Gehirn gestört ist, so dass sie alle Reize aufnehmen, aber nicht filtern können.

 

Klassenclown oder Außenseiter

Die typischen ADHS-Symptome sorgen dafür, dass die Kinder in allen Lebensbereichen anecken und auffallen: Spontanes Aufstehen und Herumlaufen in Restaurant oder Kino, Wutausbrüche im Supermarkt, Kippeln und Dazwischenreden im Unterricht. Besonders folgenreich ist dieses Verhalten in der Schule, weshalb ADHS oft erst in der Grundschule erkannt wird. Schlechte Noten und Sitzenbleiben, wenige Freunde und die Rolle des Klassenclowns oder Außenseiters sind für ADHS-Kinder die Regel. Aber auch in der Familie führt die Störung häufig zu ernsten Konflikten, die im Extremfall zur Trennung der Eltern oder Weggeben des Kindes führen können. Und auch das betroffene Kind selbst leidet, weil ADHS oft nicht als eine Krankheit, sondern als absichtliches und bösartiges Fehlverhalten des Kindes missverstanden wird.
Umso wichtiger ist es, die Störung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Doch oft scheitert es schon an der richtigen Diagnose, denn die Unterscheidung zwischen einem sehr lebhaftem Kind und einem  ADHS-Kind ist auch für Fachleute manchmal schwierig.  Deshalb ist es wichtig, einen ADHS-erfahrenen Arzt aufzusuchen, mit dem man dann die geeignete Behandlung besprechen kann.

 

Ritalin in Maßen

Wer ein Kind mit ADHS hat, ist für jede Hilfe dankbar. Doch nicht alle Behandlungsmöglichkeiten sind sinnvoll. Bewährt hat sich eine Kombination aus Medikamentengabe - meist Ritalin - und Verhaltenstherapie. Zwar gibt es auch Medikamentengegner, doch die absolute Verurteilung von Ritalin ist unbegründet. Denn wie bei jedem Medikament gilt: Die richtige Dosis ist entscheidend. Dann gibt es in der Regel auch keine Nebenwirkungen. Dass Ritalin die Kinder ruhig stellt, ist übrigens ein Irrglaube. Stattdessen stimuliert es das Gehirn, was zu besserer Konzentration führt. Die Sorge, dass Ritalin die Kinder süchtig macht, ist auch überholt. Im Gegenteil: Studien belegen, dass unbehandelte Kinder später viel eher suchtgefährdet sind. In vielen Fällen ist eine langfristige Verhaltenstherapie mit den unruhigen ADHS-Kindern ohne Medikamente schlicht auch gar nicht erst möglich. Deshalb sind Medikamente zumindest kurzfristig sinnvoll, um dem Kind auf Dauer zu helfen. Alternative Behandlungsmöglichkeiten wie Eltern- und Lehrertrainings, Spieltherapien sowie Entspannungsübungen, Moto- und Ergotherapie können als Ergänzung nützlich sein.

 

Klare Regeln und positive Bestärkung

Aber auch mit der richtigen Erziehung können ADHS-Eltern schon viel bewegen. Weil die betroffenen Kinder sich schlecht konzentrieren können, sind klare, kurze Anweisungen mit Blickkontakt wichtig. Bewährt hat sich ein Belohnungssystem - hierbei ist es wichtig, schon Bemühungen zu belohnen und nicht nur das Ergebnis. Bei den Hausaufgaben sollten die Eltern dabei sein und das Kind immer wieder anspornen. Folgen durch Fehlverhalten sollten klar angekündigt und konsequent umgesetzt werden.
Ein besonderes Phänomen bei ADHS-Kindern ist, dass sie ihr unkonzentriertes Verhalten oft nur zeigen, wenn es um unfreiwillige Situationen oder Aufgaben geht. Bei ihren Hobbies können sie richtig aufblühen und überraschen mit Ruhe und Sorgfalt. Dieses Verhalten können sich die Eltern zu Nutze machen: Lästiges Aufräumen und die tägliche Körperhygiene werden mit etwas Phantasie zu spannenden Herausforderungen umgestaltet.
Auch die Lehrer sollten in die Problematik eingeweiht sein. Denn durch falschen Umgang mit dem Kind kann es zunehmend aggressiver und unwilliger werden. Aber Vorsicht: Kläre dein Kind über ADHS auf, rede in seinem Beisein wenn möglich jedoch nicht über die Krankheit.
Generell sollten betroffene Eltern sich mehr auf die positiven Seiten ihres Kindes konzentrieren und diese hervorheben. ADHS-Kinder sind in der Schule oft schon genug Kritik ausgesetzt. Du solltest dir immer wieder bewusst machen, dass das Kind sich nicht absichtlich so verhält und gemeinsam an einer Lösung arbeiten. ADHS-Kinder können zu loyalen Verbündeten werden, wenn sie merken, dass es jemand gut mit ihnen meint.

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